Vortrag mit Musik

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Das Lienzer Mädchen Ursula Pöck

Vortrag mit Musik


Drei Ritualmord-Legenden aus Tirol
Ursula Pöck in Lienz – Simon von Trient – Anderle von Rinn

Dr. Meinrad Pizzinini



Mehrzwecksaal NMS Völs
Freitag, 03.03.2017
Beginn: 19:00 Uhr

Eintritt: freiwillige Spenden

Musikalische Umrahmung: Gösta Müller, Julia Schumacher-Fritz und Bernhard Fuchsberger
 
Martyrium des Simonino von Trient Drei „Ritualmord-Legenden“
Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein wurden die Erzählungen um „Ritualmorde“ im Bereich der historischen Grafschaft Tirol, begangen von den Juden an Kindern von Christen, bedenkenlos kolportiert und ohne kritische Quellenanalyse als Tatsachen hingestellt.

Um Ursula Pöck (Böck) rankt sich die älteste – aber am wenigsten bekannte – Ritualmordlegende. Nach der Überlieferung begingen die Juden in Lienz, Hauptstadt der Grafschaft Görz, in der Karwoche 1443, ev. 1444, einen Mord am drei bis vier Jahre alten Mädchen Ursula, Tochter des Lienzer Bürgers Thomas Pöck. Die Lienzer Juden wurden zum Tod verurteilt.
Erst nach rund 300 Jahren wurde der Versuch unternommen, „Ursula von Lienz“ zur „Ehre der Altäre“ zu erheben, was jedoch nicht gelang.

 
Anderl von Rinn Eine weitere Ritualmordlegende ist aus Trient bekannt, wo am Gründonnerstag 1475 der kleine Simon Unferdorben von einem Juden getötet worden sein soll.

Daraufhin wurden die Trienter Juden hingerichtet bzw. des Fürstentums verwiesen und man zerstörte die Synagoge. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung bestattete man „San Simonino“ in der Kirche San Pietro. Im Jahr 1965 wurde der Kult verboten.

Im Juli 1462 soll es im Dorf Rinn, im südöstlichen Innsbrucker Mittelgebirge, zu einem Ritualmord durch Juden gekommen sein. Wenig später bestattete man die Überreste von Anderl Oxner in der Kirche. Hippolyt Guarinoni, der an sich verdiente Arzt des Haller Damenstiftes (+1654), beschrieb den historischen Hintergrund, der – wie sich herausstellte – zum größten Teil erfunden worden ist. Im Jahre 1961 wurde von Rom aus der Kult aufgehoben.
 
Dr. Meinrad Pizzinini
Gösta Müller



Univ.-Doz. Dr. Meinrad Pizzinini
ist Historiker, der durch 40 Jahre am Tiroler Landesmuseum gearbeitet hat. Über die Geschichte und Kulturgeschichte Alt-Tirols hinaus befasst er sich – seit seiner Dissertation über die Grafen von Görz – vielfach auch mit der reichen Kulturlandschaft Friaul–Julisch-Venetien.





Gösta Müller, Julia Schumacher-Fritz und Bernhard Fuchsberger
umrahmen den Vortrag mit „traditioneller jiddischer Musik“. Klezmer-Musik ist eine aus dem aschkenasischen Judentum (mittel-, nord- und osteuropäische Juden) stammende Volksmusiktradition.




Dieser Vortrag steht im Zusammenhang mit der Besichtigung der Synagoge Innsbruck